Kelly Bryson arbeitete mit “Tribal Technologies”


Hände Workshop Kelly Bryson 2016-05-12_2_1,3MB

Jeweils rd. 30 TeilnehmerInnen waren am 11. und 12. Mai dabei, als Kelly Bryson, Psychotherapeut und Buchautor aus San Francisco, uns erst im Wandel-Raum in der Rheinstraße und dann am Lernort Wuppertal in einem zweitägigen Seminar darin unterstützte, in der Gruppe offener aufeinander zu- und einzugehen. An den beiden Tagen wurde er durch Bettina Schwemin assistiert und hervorragend übersetzt von Petra Kumm.
Kelly entwickelt und benutzt grundlegende vertrauens- und gemeinschaftsbildende Methoden (sog. „Tribal Technologies“, gemischt mit Elementen aus verschiedenen „Schulen“ u.a. von Marshall B. Rosenberg), um das Vertrauen zwischen den Menschen zu stärken und dadurch authentische Begegnungen zu ermöglichen.

Wie sind denn solche wirklich offenen, ehrlichen Begegnungen zwischen Menschen möglich? Es ist nicht leicht für uns einander zu vertrauen, wenn wir nicht genau wissen, ob wir wirklich ehrlich miteinander umgehen. Das Vertrauen darin, dass mein Gesprächspartner das meint, was er sagt – Zustimmung wie Ablehnung – ist für eine gelingende Kommunikation unerlässlich. Zu Kellys Repertoire gehören deshalb Übungen zum Nein-Sagen. Deutlich wird dabei, wie vielen Menschen es doch schwerfällt, den möglichen (oft nur angenommenen) Erwartungen des Gegenübers nicht zu gehorchen. Ich darf meine Ablehnung ausdrücken. Und um dies zu tun, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Vieles können wir als Einzelne oder in Zweiergruppen neu wahrnehmen und uns neu aneignen. Dies braucht aber auch für die Alltagspraxis einen förderlichen Rahmen. Dieser wird oft durch Gruppen und Gemeinschaften am Arbeitsplatz oder in der Freizeit gebildet. Der Begegnung in Gruppen helfen also auch eigene Herangehensweisen, wenn wir einen offeneren Umgang miteinander einüben wollen. Im Seminar konnten wir dazu an verschiedenen Übungen teilnehmen wie bspw. an der Forumsarbeit.

Für den Einzelnen ist auch immer ein wenig Mut notwendig, um sich gegenüber Anderen offen und damit verletzlich zu zeigen. Verletzlichkeit lädt die Verletzlichkeit der Anderen ein und erlaubt somit wiederum mehr und mehr Offenheit. Durch Kellys Hilfe – durch die Sicherheit, die er bietet – gelangten wir mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit in mehr Vertrauen und mehr Offenheit als üblich. In den Übungen, die er anleitet, wird deutlich: Ich bin nicht allein mit meinen Wahrnehmungen. Denn auch die anderen in der Gruppe kennen oft Ähnliches.

Wenn die gemeinsame Nutzung endlicher Ressourcen ins Spiel kommt, kommt dem Vertrauen zwischen den Menschen, die diese Ressourcen nutzen wollen, eine entscheidende Rolle zu – gleichgültig, ob im Kleinen oder im Großen. Die folgende Frage wurde an Kelly gerichtet: „Was hilft einer Gemeinschaft, wenn die Ressourcen knapp werden und nicht mehr genug für alle da ist?“ Seine Antwort war: „Ich möchte die Frage anders stellen. Was bietet die größte Chance, die Situation möglichst erfolgreich zu meistern? Allein oder gemeinsam die Ressourcen bewirtschaften? Allein entsteht in jedem Fall Konkurrenz.“

Wir können an das Beispiel einer Expeditionsgruppe denken, die auf sich allein gestellt in widrige Umstände gerät. Welcher Weg erhöht die Wahrscheinlichkeit für das Überleben der Mitglieder der Gruppe? Damit wird deutlich, dass es einen starken Zusammenhang gibt zwischen der Frage nach dem Vertrauen im Umgang miteinander und der Art und Weise, wie sich die vorhandenen Ressourcen am besten bewirtschaften lassen – und damit zu weiteren Themen des Lernortes.

Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren die Übungen sehr eindrücklich, erhellend und berührend. Einzelne Mitwirkende denken darüber nach, wie das Seminar fortgesetzt werden kann.

(Vielen Dank an Andreas Poggel für die Unterstützung beim Formulieren dieser Meldung!)