Was ist der Lernort?


„Warum schaffen wir als Menschen kollektiv eine Wirklichkeit, die niemand will?“

(C. O. Scharmer & K. Käufer)

 

Können wir uns neue Lernumgebungen gestalten, mit denen wir zumindest teilweise diese Frage klären und auch wirkungsvoll etwas gegen dieses Phänomen unternehmen können? Indem wir lernen, wie wir die Dinge gemeinsam so verändern können, dass wir eine Welt (mit-)gestalten, die wir wirklich von Herzen erhalten wollen? Mit gelingenden Beziehungen zwischen den Menschen, materieller Sicherheit zur Versorgung mit dem Lebensnotwendigen, lebendiger Vielfalt von Natur und Kultur… – Phantasterei? – Es ist sicher hilfreich, wenn wir genauer herauszufinden versuchen: Was brauchen wir wirklich? Was wollen wir und was können wir beitragen? Was sind die Denk- und Handlungsmuster, die uns dabei behindern? Open Space Mittagspause 2015-04-12 klein

 

Jahresfeier HW Vorstellung Lernort Puppe Ausschnitt 2015-11-01 Außerhalb des bebauten Stadtgebietes von Wuppertal, umgeben von Landwirtschaft und Wald, entsteht an der Silvio-Gesell-Tagungsstätte ein solcher neuer Lernort: Anregend, die eigenen Talente zur Entfaltung bringend und das mit viel Spaß und Freude.

Eine Mischung aus Denkfabrik, freiem Kolleg, Künstleratelier, Projektwerkstatt, „Gärraum“ für Existenzgründungen und Lebensort wächst dort heran. Die Potentiale des Ortes und des Bergischen Landes um Wuppertal und der mitwirkenden Menschen entfalten sich dort. Alternative Formen des Zusammenlebens, Wirtschaftens und Lernens können hier entwickelt, ausprobiert und eingeübt werden.

Der Lernort geht nun schon ins dritte Jahr seines Bestehens. Er hat sich zu einem Ort entwickelt, der Freiraum für Begegnungen bietet, sogar für Begegnungen mit sich selbst. Er ist ein diffuses Gebilde, dessen Konturen sich noch ausbilden, aber von dem man sagen kann: Es ist ein Möglichkeitsraum. Menschen haben Aufgaben übernommen, weil ihnen der Lernort und die Menschen dort am Herzen liegen.

Unser Lernort erfüllt selten genau die Erwartungen, die an ihn gerichtet werden, schon gar nicht Anforderungen, die gern an Bildung, wie sie heute landläufig verstanden wird, gestellt werden. Auch Erwartungen an hierarchische Strukturen oder Personen, bei denen “alle Fäden zusammenlaufen“, werden regelmäßig enttäuscht. Der Lernort ist die Gesamtheit aller beteiligten Menschen und aller von ihnen initiierten Projekte. Lernort ist selbst ein ständiger Wandel und bedeutet damit auch immer wieder Reibung. Lernort ist auch immer ein bisschen “kreative Störung” und ein wenig “lebendiges Chaos”.

Aber genau in diesen Phasen und Momenten blitzt oft das Neue auf. Das vorhandene Potential an neuen Lebenswegen braucht Räume fernab eingespielter Routinen. Der Lernort ist ein solcher. Der Lernort ist ein Lebensraum, in dem sich gegenseitig nährende Einzelne ihrer Verbundenheit bewusst werden und beginnen zu lernen, die eigenen Interessen immer in eigener Verantwortung und in Verbindung mit dem Interesse des Ganzen wahrzunehmen. Dann hält der Lernort Fülle und Freude bereit! Und eine Lernerfahrung, die immense Wirkung entfalten wird, wenn sie erst einmal zur allgemeinen Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft geworden ist.

 

Mehr Informationen finden sich in einem Artikel über den Lernort, der in der Zeitschrift HUMANE WIRTSCHAFT 06/2015 erschienen ist.

Ein großer Schwerpunkt sind die Themen Geld, Zeit, Beziehungen und Wirtschaft. Beim Geld interessieren uns seine Verfasstheit, Funktionen, Bedeutung und Varianten sowie ein bewussterer Umgang mit diesem Medium.

Der Lernort knüpft an eine fast 90jährige freiwirtschaftliche Tradition in Bezug auf die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit unserem Geldsystem an und bindet die Expertise des Ortes und des bereits vorhandenen Themennetzwerkes ein. Daher das zentrale Motto: Geld geht auch anders, und unsere Wirtschaft ist aktiv gestaltbar!

Über kurz oder lang werden wir uns in mehr oder minder starker Verbindung mit den vorgenannten Themen auch die folgenden beschäftigen:

  • Nachhaltigkeit und schonender Umgang mit Ressourcen
  • Kunst und Kultur
  • Körperarbeit (Tanz, Yoga u.ä.)
  • Persönlichkeits- und Bewusstseinsentwicklung
  • Neue Methoden für Bildung und Gemeinschaftsprozesse

Ziel ist es u.a., zufriedenstellende Gelingensmodelle für bewusstes Wirtschaften zu entwickeln.

Wir orientieren uns an unserem außergewöhnlichen Leitbild und bleiben zugleich anschlussfähig zur uns umgebenden Welt, die wir verändern wollen, indem wir

  • Struktur und Freiheit wahren,
  • ausreichend Grenzen und Offenheit sichern,
  • das Eigene und das Fremde schätzen,
  • Intentionalität und Absichtslosigkeit pflegen,
  • innere und äußere Wandlung verbinden und in Einklang bringen.

 

k-DSCF5729Seit 2012 wird eine Freilichtbühne am wachsenden Lernort instandgesetzt.

 

Unsere zweiwöchigen Sommercamps 2015 und 2016 haben einen schönen Aspekt des Lernortes konkret anschaulich gemacht: Ohne Bezahlung, ausschließlich auf Spendenbasis, konnte mit Hilfe unseres Netzwerkes für mehr als 120 Besucher ein Workshop-Programm mit rund 50 Angeboten auf die Beine gestellt werden. Es gab viele persönliche Begegnungen und eine tolle Kombination von neuen Erfahrungen, gemeinsamem Arbeiten (u. a. in der Freilichtbühne) und Feiern (ebenfalls in der Freilichtbühne).

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Eva beim Flexen Sommercamp 2015